Bestandsaufnahme Partnerschaft Kirchenkreis Saar-Ost mit der Diözese der Anlikanischen Kirche in Butare/Ruanda

 

Der Kirchenkreis Saar-Ost unterhält seit dem Jahr 1985 eine Partnerschaft mit der Diözese Butare der Anglikanischen Kirche in Ruanda. Erste Kontakte zwischen den Partnern wurden allerdings schon Ende der 70er Jahre geknüpft, und zwar durch den damaligen ruandischen Bischof Ndandali.

 

Dieser Partnerschaftsvertrag wurde 2007 auf weitere 10 Jahre verlängert. Er beinhaltet die gegenseitige Teilnahme an der Lebenswirklichkeit der Partner, die gegenseitige Fürbitte in Gottesdiensten, die Feier eines jährlichen Partnerschaftsgottesdienstes, der gegenseitige Besuch durch Delegationen und schließlich auch die materielle Unterstützung in Form von Projekten.

 

 Teilnahme an der Lebenswirklichkeit der Partner

 

In der Zeit seit Beginn der Partnerschaft bis etwa Ende 2007 gestaltete sich der Austausch mit den Partnern recht schwierig, da wir auf den Postweg angewiesen waren. Danach konnten wir uns per Mail austauschen. Mittlerweile ist innerhalb weniger Tage eine Korrespondenz möglich da. Dies gewährleistet einen regen und lebendigen Austausch von Meinungen und Neuigkeiten.

 

Der gegenseitige Besuch durch Delegationen

 

In dem Zeitraum bis zum Bürgerkrieg und dem Genozid 1994 fanden gegenseitige Besuche von Delegationen statt. Diese Praxis riss zwangsläufig in den 90 Jahren ab. Die Sicherheitslage in Ruanda ließ Besuche dort nicht zu. Erst Ende 1996 (?) konnte wieder eine Ottweiler Delegation nach Butare reisen. Die Mitglieder der Delegation fanden ein Land vor, das zerstört war. Die Ruander waren traumatisiert – es gab Unmengen von Kindern und Jugendlichen, die ihre Familien verloren hatten und auf der Straße oder in Kinderfamilien lebten. Die bisherigen Ansprechpartner der Diözese waren nicht mehr präsent (teilweise Opfer, teilweise Täter). Die gesellschaftlichen Strukturen waren ebenso zerbrochen wie auch die der Diözese. Die handelnden Akteure waren teilweise mit ihren Aufgaben überfordert.

 

Der verlängerte PV wurde bei dem Besuch einer 5-köpfigen Delegation im Jahr 2007 ausgehändigt. Zu dieser Zeit wurde die Diözese durch ein mehrköpfiges Gremium geführt, zu dem u. a. Odilo Rushayigi, Etienne Uwajyjiwabo angehörten. Der amtierende Bischof, Venuste Mutiganda war im Rahmen eines Sabbathjahres in Straßburg. Sie versuchten – unterstützt durch den heutigen Leiter der Afrikaabteilung, Pastor John Wesley Kabango - uns die Gründe der desolaten Lage der Diözese darzustellen. Der Erzbischof der Anglikanischen Kirche bat uns ebenfalls um ein Gespräch, um unser Verständnis in die desolate Lage der Diözese zu wecken.

Der nächste Besuch einer Delegation fand im Jahr 2009 statt. Der neu gewählte Bischof, Nathan Gasatura, lud Vertreter des Kirchenkreises zu seiner Einführung nach Butare ein.

 

Im darauffolgenden Jahr trat er einen Vorstellungsbesuch bei der VEM und dem Kirchenkreis an. Im Jahr 2015 besuchte er den Kirchentag in Stuttgart und weilte im Anschluss einige Tage im Kirchenkreis.

 

Daneben war seine Ehefrau Florence mehrere Male zu Besuch, die Mitglied der afrikanischen Regionalversammlung war und Sitzungen der Generalversammlung in Deutschland nutzte, um uns zu besuchen.

 

Canon Etienne Uwajyjiwabo war bei Frau Winckel zu Gast, als er sein Masterstudium in Deutschland absolvierte. Penine Uwajyjiwabo und Francois de Paul Gahigi besuchten uns während ihrer Zeit als VEM-Freiwillige in Deutschland.

 

Jugendaustausch 

 

Bereits vor dem Jahr 1985 fand ein erster Jugendaustausch in Ruanda statt, an dem auch Jugendliche aus unserem Kirchenkreis teilnahmen. Wegen der unsicheren innenpolitischen Lage in Ruanda zu Beginn der 90er-Jahre , die im Genozid im Jahr 1994 ihren Höhepunkt fanden, konnte lange keine Neuauflage einer derartigen Maßnahme erfolgen.

 

Im Jahr 2009 fand dann im Saarland erstmals wieder ein internationales Jugendtreffen statt, an dem Jugendliche aus Rubengera/Ruanda, Butare/Ruanda, dem Kongo sowie Namibia und auch Jugendliche aus den jeweiligen partnerschaftlich verbundenen deutschen Kirchenkreisen teilnahmen. (organisiert und begleitet durch Frau Ulrike Zuda-Tietjen und Pfr. Hans Jürgen Gärtner)

 

Im Sommer 2010 erfolgte ein Gegenbesuch von 5 jungen Leuten aus unserem Kirchenkreis in Butare.

 

Im Jahr 2012 wurde erneut ein Jugendtreffen in Deutschland organisiert. 5 ruandische und 5 deutsche TeilnehmerInnen arbeiteten drei Wochen zu Themen, die für beide Länder und Kulturen interessant sind.

 

Im Sommer 2013 erfolgte ein Gegenbesuch in Butare.

 

Alle Jugendtreffen wurden von der Jugendreferentin unseres Kirchenkreises, Frau Zuda-Tietjen geplant und organisiert.

 

Neben einem interkulturellen Lernen, dem Kennenlernen der jeweiligen Lebenswirklichkeit (Geschichte, Kultur, Alltagsleben) arbeiteten die jeweils 5 ruandischen und deutschen jungen Leute drei Wochen lang an für beide Seiten interessanten Themen wie Gendergerechtigkeit, Klimawandel, erneuerbare Energien, nachhaltige Land- und Forstwirtschaft, Umgang der Gesellschaften mit sozialen Randgruppen und Vielem mehr.

 

Ein weiterer für das Jahr 2016/2017 geplanter Jugendaustausch scheiterte an der Tatsache, dass sich nicht 5 Jugendliche fanden, die an einer derartigen Maßnahme teilnehmen wollten.

 

An dieser Stelle sollen auch die privat organisierten Ruandareisen für PAFO-Sponsoren und Interessierte in den Jahren 2014, 2016 und 2018 nicht unerwähnt bleiben.

 

Partnerschaftsgottesdienste fanden in der Vergangenheit jährlich in verschiedenen Gemeinden zentral statt.

 

 Die vereinbarten Fürbitten finden nicht in allen Gemeinden statt.

 

 Projekte in der Vergangenheit

 

Neben einer nicht unerheblichen Unterstützung der Partner nach dem Genozid (Notprogramme), die zusammen mit der VEM gewährt wurde, wurden folgende finanziellen Programme und Projekte durchgeführt:

 

  • ·                     Kauf von Kühen für Pfarrer.
  • ·                     Kauf von Ziegen für bedürftige Witwen: seit dem Genozid im Jahr 1994 wurden bei jedem Besuch in Butare Ziegen für diese gekauft. Allein bei dem Besuch 2016 in Butare wurden wieder mehr als 60 Ziegen für notleidende Menschen gekauft.
  • ·                     Die etwa 1.200 SchülerInnen der drei Sekundarschulen der Diözese werden bei Besuchen mit Lernmaterial versorgt.
  • ·                     Kauf von Hacken zur Bestellung der Felder.
  • ·                     Kauf von Solarkochern
  • ·                     Installation einer Fotovoltaikanlage (Insellösung) auf einer der Schulen
  • ·                     Ausstattung einer Informatik-Klasse an der Sekundarschule in Gikonko mit Unterstützung des Saarl. Entwicklungsministeriums
  • ·                     Hilfe bei der Reparatur des Daches der Sekundarschule in Gikonko nach einem Unwetter
  • ·                     Finanzierung eines Daches für ein Gebäude in der Kommune Nyanza, wo ein Kindergarten eingerichtet werden soll.
  • ·                     Elektrifizierung der Handwerkerschule in Mubumbano – es fehlt noch der Starkstromanschluss, der durch die staatliche Stromversorgung vorgenommen werden muss. Finanzierung durch den Förderverein „Fasha ngo i Butare“.
  • ·                     Bau eines Küchenhauses an der Sekundarschule in Butare (finanziert durch den Förderverein).

 

Schulpatenschaftsprogramm (PAFO)

 

Nach dem Genozid wurde im Jahr 1996 nach dem Besuch einer Ottweiler Delegation ein Schulpatenschaftsprogramm ins Leben gerufen, das mittellosen Kindern und Jugendlichen (früher Genozid-Waisen) den Besuch einer Sekundarschule ermöglicht. Diese weiterführenden Schulen sind schulgeldpflichtig. Sponsorinnen und Sponsoren ermöglichen z. Zt. 215 bedürftigen Jugendlichen, die 3 Sekundarschulen in Butare, Rusatira und Gikonko zu besuchen. Von dem monatlichen Beitrag in Höhe von 15 € werden das Schulgeld (einschließlich Internat), der Kauf der Schuluniform sowie der Lernmittel und auch die ärztliche Versorgung bestritten .

 

Seit 1996 hatten ca. 4.000 bedürftige SchülerInnen die Möglichkeit, die drei Sekundarschulen der Diözese zu besuchen. Viele von ihnen haben zwischenzeitlich ihr Hochschulstudium abgeschlossen.

 

Handwerkerschule in Mubumbano

 

Mit Beginn des Jahres 2013 wurde – nach einem gescheiterten ersten Versuch im Jahr 2007 - mit dem Bau und der Einrichtung der seit mehr als 10 Jahren geplanten Handwerkerschule begonnen. Hierbei leistet der Kirchenkreis Saar-Ost einen nicht unwesentlichen finanziellen Beitrag. Weitere Geldgeber war die Vereinte Evangelische Mission in Wuppertal; die saarländische Landesregierung förderte das Projekt ebenfalls.

 

Die Fertigstellung von 2 Werkstätten für die Fachrichtungen Schreinerei und Bauhandwerk war im ersten Halbjahr 2014. Daneben wurden zwischenzeitlich 3 Klassenräume, ein Verwaltungsgebäude mit Bibliothek und ein Hangar sowie eine Toilettenanlage fertiggestellt. Mit der Ausbildung in der Fachrichtung SchneiderInnen und BauhandwerkerInnen wurde begonnen. Neben dem Erlernen eines Handwerkerberufes werden die jungen Frauen und Männer zudem in Englisch und Informatik ausgebildet und ihnen sollen Methoden einer nachhaltigen und effektiven Landwirtschaft vermittelt werden.

 

Die offizielle Eröffnung der Schule war bei unserem Aufenthalt am 13. 07. 2014.

 

Bei einem weiteren Aufenthalt im Juli 2016 konnten die ersten 45 ausgebildeten HandwerkerInnen diplomiert werden. Unser Förderverein „Fasha ngo i Butare – Zukunft für Butare e. V.“ leistete durch den Kauf von 32 Nähmaschinen einen wichtigen Beitrag zum Start in das Berufsleben. Diese werden bedürftigen (nicht kreditwürdigen ) Näherinnen und Nähern gegen die regelmäßige Zahlung eines kleinen Beitrages überlassen; aus diesen Zahlungen wird ein Fond gespeist für die Anschaffung weiterer Maschinen.

 

Die Schule war zwischenzeitlich auch um jeweils ein Schlafhaus für junge Frauen für junge Männererweitert worden, ein weiteres für junge Männer war im Bau, ebenso ein Küchenhaus. Diese Gebäude wurden zwischenzeitlich fertig gestellt.

 

Bei dem genannten Aufenthalt konnten Beratungen mit Bischof Gasatura und dem Leitungsteam der Diözese stattfinden, die die Erweiterung der Schule durch die Einführung weiterer Ausbildungsbereiche zum Ziel hatten.

 

Im Herbst wurde dann ein Projekt- und Finanzierungsplan für die Erweiterung auf die Fachbereiche Schlosser und Schweißer, Lederverarbeitung (Schuhe, Taschen, Gürtel pp.) und Friseurberuf vorgelegt.

 

Ein nächster Schritt in der Entwicklung der Handwerkerschule wurde im Jahr 2016 unternommen. Mit Mitteln der VEM und des Kirchenkreises und der Unterstützung des Vereins zur Förderung der Partnerschaft „Fasha ngo i Butare – Zukunft für Butare/Ruanda e. V.“ wurde die Schule um die genannten drei weiteren Fachrichtungen ausgebaut.

 

Der Förderverein hat nun auch die Elektrifizierung der Schule finanziert, daneben wurden Nähmaschinen für ausgebildete NäherInnen angeschafft, die sich nicht aus eigenen Mitteln für ihre Berufsausübung ausrüsten konnten.

 

Im Jahr 2016 wurden 40 ausgebildete HandwerkerInnen in 3 Ausbildungsberufen diplomiert, im Jahr 2018 waren es dann schon 75 in 6 Handwerksberufen. Bei der Feier im Mai des Jahres wurden der Schule elektrische Näh- und Strickmaschinen für die Ausbildung übergeben (Finanzierung durch die Saarl. Landesregierung, den Kirchenkreis und den Förderverein). Zum jetzigen Zeitpunkt sind 120 junge Auszubildende angemeldet.  

 

Kindergarten

 

Bereits im Jahr 2007 wurde von Seiten der Partner der Wunsch geäußert, einen Kindergarten einzurichten – bis dato gab es eine derartige Einrichtung in der 70.000 Bewohner umfassenden Stadt Butare nicht. Mit Hilfe von privaten SpenderInnen wurden die Geldmittel für einen derartigen Kindergarten mit Krippenplätzen aufgebracht. Einen wesentlichen Beitrag leisteten hierbei die Schülerinnen und Schüler des Gymnasium am Steinwald, die durch einen Wohltätigkeitslauf und einen Wohltätigkeitsball 7.000 € beisteuerten.  Im Sommer 2013 bot die Diözese Butare an, ein Haus und Gelände zur Verfügung zu stellen, wenn wir behilflich sind, den Umbau und die Einrichtung zu finanzieren. Verantwortlich zeichnet die Ehefrau des Bischofs, Frau Florence Gasatura, und ein eigens gebildetes Gremium. Ein Projekt- und Finanzierungsplan wurden vorgelegt.

 

Zu Beginn des Jahres 2014 wurde dann mit dem Umbau des Gebäudes begonnen und am 13. 07. 2014 konnte der Kindergarten offiziell eingeweiht werden. Schon nach kurzer Zeit waren 9 Kinder in der Einrichtung angemeldet. Leider mussten wir feststellen, dass der Kindergarten im Jahr 2016 aus für uns nicht nachvollziehbaren Gründen geschlossen war. In der Zwischenzeit wurde allerdings in der Anlage ein Montessori-Kindergarten mit 2 Kindergruppen eröffnet.

 

Bilder, Videos, Informationen und Berichte sind im Internet zu finden.

 

Stand Januar 2019

 

Homepage: www.kirchenkreissaarostbutare.de

 

http://www.facebook.com/Kirchenkreissaarostbutarechapsode

 

http://fasha-ngo-i-butare-e-v.simplesite.com