Partnerschaft Kirchenkreis Saar-Ost mit der Anglikanischen Kirche in Ruanda Diözese Butare

Die Partnerschaft zwischen dem Kirchenkreis Saar-Ost (früher Ottweiler) und der Diözese Butare der Anglikanischen Kirche besteht offiziell seit dem Jahr 1985. Erste Kontakte zwischen den Partnern wurden allerdings schon Ende der 70er Jahre geknüpft, und zwar durch den damaligen Bischof Ndandali.

Die Diözese Butare war zu dieser Zeit flächenmäßig viel größer als heute und unsere Partnerschaft bezog sich ausschließlich auf das Archediakonat Hanika innerhalb der Diözese Butare. Anfang der 90er Jahre wurde die Diözese in vier Diözesen aufgeteilt und unser Partner wurde die heutige verkleinerte Diözese Butare.

Einige Jahre war die Ortschaft Hanika ein Zankapfel zwischen der Diözese Butare und der Diözese Shyogwe.

Der zwischen den Partnern abgeschlossene Partnerschaftsvertrag, der 2007 auf weitere 10 Jahre verlängert wurde beinhaltet die gegenseitige Teilnahme an der Lebenswirklichkeit der Partners die gegenseitige Fürbitte in Gottesdiensten, die Feier eines jährlichen „Partnerschaftsgottesdienstes“, der gegenseitige Besuch durch Delegationen und schließlich auch die materielle Unterstützung. (siehe Unterseite "Partnerschaftsvertrag")

 

Delegationen

 

Folgende Personen gehörten Delegationen an, die Butare besuchten:

  • Pfr. Hans-Lothar Hölscher, Walter Wilhelm, Fritz Werner, Frau Quast (1990),
  • Fritz Werner, Pfr. Klaus Heinz, Pfr. Tilman Goedeking (Jahreswechsel 1996/1997),
  • Fritz Werner, Pfr. Udo Nilus, Ulrich Honecker (2001)
  • Pfr. Hans Jürgen Gärtner, Pfr. Volker Böhm (2003)
  • Fritz Werner, Brigitte Winckel, Pfr. Udo Nilius, Karin und R. Rüdiger Burkart (2007)
  • Pfr. Hans Jürgen Gärtner, Karin und R. Rüdiger Burkart (2009 – Amtseinführung des neuen Bischofs Nathan Gasatura)

Daneben weilte Herr Fritz Werner 1992/1993 insgesamt sieben Monate in Hanika und baute dort für die Partner eine Schlosserwerkstatt auf.

 

Delegationen aus Butare, die unseren Kirchenkreis besuchten waren u. a.

 

  • im Jahr 1997:        David Nahayo, Immaculée Karangwa
  • im Jahr 2005:        Bischof Venuste Mutiganda, Rev. Etienne Uwayjiwabo, Joseph   
                                       Mugenz
  • im Jahr 2010:         Bischof Nathan Gasatura weilte zu einem Antrittsbesuch in                                      unserem Kirchenkreis.

 

Daneben besuchten in den letzten Jahren viele Einzelpersonen unseren Kirchenkreis:

Mehrfach Bischof Ndandali, Rev. Etienne Uwayjiwabo, Rev. Odilo Rushayigi, Familie Mutiganda während des Genozides, daneben Jacqeline Nikuze und Espérance während ihres Aufenthaltes in der ökumenischen Wohngruppe der VEM in Wuppertal.

 

Jugendaustausch

 

Schon vor dem Jahr 1985 fand ein Jugendaustausch in Ruanda statt, an dem auch Jugendliche aus unserem Kirchenkreis teilnahmen: Hans Dieter Scheid und Hans Hermann Lorig, außerdem u. a. Jörg Zimmermann aus dem Kirchenkreis Düsseldorf-Nord und auf Seiten der Ruander der spätere Bischof Mutiganda.

 

Im Jahr 2009 fand im Saarland erstmals wieder ein internationales Jugendtreffen statt, an dem Jugendliche aus Rubengera/Ruanda, Butare/Ruanda, dem Kongo sowie Namibia und auch Jugendliche aus den jeweiligen partnerschaftlich verbundenen deutschen Kirchenkreisen teilnahmen. Dieser Austausch wurde organisiert durch das evangelische Jugendwerk an der Saar (Frau Zuda-Tietjen) und dem GMÖ-Pfr. Hans Jürgen Gärtner. Die Jugendlichen aus Butare wurden begleitet durch Rev. Odilo Rushayigi.

 

Im Sommer 2010 erfolgte ein Gegenbesuch von 5 jungen Leuten aus unserem Kirchen-kreis in Butare: Angelika Müller, Tina Horn, Jana Heybutzki, Julian Fries, Alexander Klein. Ihre Begleiterin war Karin Burkart.

 

Projekte

 

  • Kauf von Kühen für Pfarrer.
  • Kauf von Ziegen für bedürftige Witwen: seit dem Genozid im Jahr 1994 wurden bei jedem Besuch in Butare Ziegen für bedürftige Witwen gekauft.
  • Kauf von Hacken zur Bestellung der Felder.
  • Kauf von Solarkochern
  • Installation einer Fotovoltaikanlage (Insellösung)
  • Ausstattung einer Informatik-Klasse an der Sekundarschule in Gikonko
  • Bei jedem Besuch in Butare werden den ca. 1200 SchülerInnen der Sekundar-schulen in Butare, Gikonko und Rusatira Schulhefte und Dauerschreiber geschenkt
  • Bau und Erweiterung der Handwerkerschule in Mubumbano
  • Einrichtung eines Kindergartens, der zwischenzeitlich im Rahmen der Montessori-Pädagogik betrieben wird
  • Ausstattung der Schule mit mechanischen Nähmaschinen
  • dto. mit elektrischen Näh- und Strickmaschinen

 

PAFO-Programm

 

Unser sicherlich erfolgreichstes Projekt ist das PAFO-Schulprogramm. Dieses wurde ins Leben gerufen, nachdem nach dem Genozid – bis zum heutigen Tag – viele Jugendliche nicht die Möglichkeit hatten oder haben, eine schulgeldpflichtige Sekundarschule zu besuchen. Zurzeit werden durch Sponsoren rund 200 Schülerinnen und Schüler unter-stützt, daneben werden regelmäßige Zahlungen für die Schulen direkt geleistet.

Bei unseren letzten Besuchen in Butare konnten wir feststellen, dass zwischenzeitlich viele ehemalige PAFO-Schüler bereits ihre Hochschulstudien beendet haben und in qualitativ hochwertigen Berufen Tätig sind (in Schulen, Verwaltung pp.) Seit dem Beginn des PAFO-Programmes im Jahr 1996 wurde durch die Hilfe von Sponsoren mehr als 4000 bedürftigen Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit eröffnet, einen qualifi-zierten Schulabschluss in deiner weiterführenden Schule zu erhalten.


Schulbauprojekt

 

Unser wohl schwierigstes Projekt. Bei dem Besuch einer Delegation in Butare 1996/1997 bat der damalige Bischof Venuste Mutiganda Herrn Fritz Werner, ihn bei der Planung und dem Bau eines technischen Zweiges an der Sekundarschule in Rusatira zu unter-stützen. Es stellte sich allerdings heraus, dass der Standort Rusatira nicht geeignet war (mangelhafte Stromversorgung, das Gelände, das benötigt wurde, hätte teuer bezahlt werden müssen). Erfreulicherweise stellte die Stadt Butare ein stark abschüssiges Gelände kostenfrei zur Verfügung, das geeignet schien. Vor mehr als 10 Jahren wurden Pläne gefertigt und Geldgeber gesucht.

Herr Werner organisierte erforderliche Maschinen und Ausrüstung für die Schule, die den Namen „Ecole poytecnique“ erhielt. Ein Container wurde damit gefüllt und auf den langen Weg gebracht. Dieser Container stand etwa 10 Jahre in Ruanda, da sich der Beginn des Baues immer wieder verzögerte.

Nach einer langen Planungsphase wurde von der VEM, einem der Geldgeber, die Summe, die für das erste Schulgebäude vorgesehen war, nach Butare überwiesen. Im Jahr 2007 wurde endlich mit dem Bau der Schule begonnen.

Als wir 2007 Butare besuchten, standen die Außenmauern des ersten Schulgebäudes – der Weiterbau war eingestellt, da kein Geld mehr vorhanden war für das Dach. Wir baten das Koordinationsbüro von Rheinlandpfalz in Kigali, uns bei der Bauaufsicht und Kontrolle zu unterstützen. Der damalige Direktor, Herr van Kampen sagte uns eine Begutachtung des Rohbaues zu. Kurze Zeit später kam bedauerlicherweise die Meldung, dass der bauliche Zustand des teilweise errichteten Gebäudes erhebliche Mängel aufwies. Es wurde uns angeraten, in diesen Bau keine weiteren Mittel zu investieren. Eine Beteiligung des Partnerschaftbüros wurde in Aussicht gestellt, falls ein anderes Gelände (weniger abschüssig), neue Baupläne (an den Bedürfnissen in Afrika ausge-richtet) und die Genehmigung der zuständigen Behörde gegeben sind.

Seither ruhte der Schulbau, trotz eines von vielen Seiten bestätigten Bedarfes einer solchen Schule in dieser Region! Erst nach der Amtseinführung des jetzigen Bischofs wurden erneut Pläne geschmiedet, wie dieses Großprojekt realisiert werden kann. In Mumbumbano bei Butare wurde ein neuer Standort gefunden und seit Beginn des Jahres 2013 wurden die Bauarbeiten aufgenommen. Die Vereinigte Evangelische Mission hatte die Bereitschaft erklärt, sich finanziell zu beteiligen und die Baukontrolle zu über-nehmen. Der neue Leiter der Afrikaabteilung, Rev. John Wesley Kabango, ist Ruander und kennt die Verantwortlichen in Butare und auch die Gepflogenheiten des Landes.

Als ein weiteres positives Ergebnis kann in diesem Zusammenhang die Bewilligung von Förderzuschüssen der Saarl. Landesregierung angesehen werden.

Bei unserem Besuch im Juli 2013 waren drei Schulklassen, und das Verwaltungsgebäude fertig gestellt, zwei Werkstätten und eine Toilettenanlage waren im Bau und sind mittlerweile ebenfalls bezugsfertig.

Im Jahr 2014 wurde die Schule mit zunächst drei Fachrichtungen eröffnet. Im Jahr 2016 konnten wir bei unserem Ruandabesuch der Diplomierungsfeier von 45 in 3 ver-schiedenen Handwerksberufen ausgebildeten HandwerkerInnen beiwohnen. Im Jahr 2015 wurde die Schule um drei weitere Fachrichtungen erweitert und 2016 konnten dann 75 HandwerkerInnen diplomiert werden. In der Zwischenzeit wurde die Schule mit Hilfe unseres Vereins zur Förderung von Projekten des Kirchenkreises im Rahmen der Partnerschaft – Fasha ngo i Butare – Zukunft für Butare e. V. mit elektrischer Versorgung ausgestattet. Für das Jahr 2019 ist mit der Fertigstellung des Küchenhauses und dem Bau weiterer Toiletten und Waschräumen eine Verbesserung der Infrastruktur der Schule geplant, die der Erhöhung der Zahl der AZUBIs auf 135 Rechnung tragen soll.